thomas demetz
die begründungen meiner beteiligung und meine zielsetzungen

thomas demetz

democratici di sinistra - linksdemokraten

Die Stadt wohnen

Die Stadt wohnen heißt alle Räume bewohnen, sie in Treffpunkte verwandeln, vom Waltherplatz bis zu den einzelnen Höfen; Beziehungen schaffen und verstärken, die voll von kreativen Potenzialitäten sind und nicht nur Orte des schnellen Vorübereilens.

Die Stadt wohnen heißt, aus den eigenen Häusern, den eigenen Autos herausgehen, um sich unter die Menschen zu mischen, sich mit den Unterschieden auseinandersetzen, mit denen wir in dieser Welt tagtäglich konfrontiert werden, das heißt nicht als Spaziergänger sondern als Entdeckungsreisender die vielen Energien dieser Stadt zu entdecken.

Die Stadt wohnen heißt der Neugier freien Lauf zu lassen, althergebrachte Gewohnheiten aufzugeben, um sich im Kontakt mit anderen zu bereichern und auf den alltäglichen Trott zu verzichten.

Die Stadt wohnen bedeutet, die eignen Ideen in Umlauf zu bringen und jene der anderen aufnehmen. Es ist nicht Solidarität oder „politically correct“ sondern der Wunsch nach Gemeinschaft.

Die Stadt wohnen erfordert Gleichzeitigkeit, die Arbeit an den kollektiven und individuellen Geschichten in Funktion einer neuen Bürgerschaft, die aktiver und bewusster die Stadt lebt.

Die Stadt wohnen ist ein Projekt mit dem Ziel der Aufwertung der Verschiedenheiten, der Beiträge der einzelnen, des Kreislaufes von Kultur und Identitäten, der Schaffung neuer Wurzeln für eine Stadt der Qualität, die emanzipiert und integriert ist.

 

Die Herausforderung unserer Zeit
Die Menschen und die Stadt
Territorium und Stadt
Stadt und Land
Institutionen und Stadt
Kulturen und Stadt
Ladiner und Stadt
Verkehr und Stadt
Jugendlichen und Stadt
Projekte für eine wohnliche Stadt


Die Herausforderung unserer Zeit

Die Welt, die uns umgibt, verändert sich andauernd. Die Zeichen sind nicht immer auch sofort lesbar und oft merken wir die Veränderungen der Vergangenheit erst später. Unsere Epoche ist durch eine Situation gekennzeichnet, die kontinuierlich die Veränderungen unserer Welt zur Schau stellt. Zu den lokalen Dynamiken gesellen sich soziale, politische, ökonomische und kulturelle Phänomene, die fern von uns entstehen und sich entwickeln. Unsere zeitgenössische Präsenz, unser Leben ist reich an Chancen, die aus einer Welt kommen, die immer stärker verflochten ist. Diese Chancen stellen unsere Stadt vor wichtige Herausforderungen: Die Besonderheiten Bozens müssen mit den großen Herausforderungen der Homogenisierung einer globalen Welt in Einklang gebracht werden und schließlich jene Veränderungen schaffen, auf die unser Land wartet.

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Die Menschen und die Stadt

Die Menschen sind der Motor der Stadt. Ihre Ideen, Leidenschaften, Träume, Wünsche und Erwartungen sind die Energie, die in den Adern Bozens fließt, sie belebt und wachsen lässt. Die Menschen bauen die Zukunft der Stadt, schaffen ihre Geschichte, indem sie die alltäglichen Geschichten der einzelnen zusammenführen. Den Menschen, die tagtäglich diese Stadt leben, bauen, bewohnen, steht das Recht zu, an den Entscheidungen teilzuhaben, die den Rahmen der Entwicklung definieren. Der nächste Gemeinderat wird entscheiden müssen, was unsere Stadt in zehn Jahren sein wird, was mit den Menschen geschieht, die diese Stadt leben werden und die ihre eigenen Träume verwirklichen möchten. Sie müssen die Möglichkeit haben, aktiv und konstruktiv die Politik für unsere Stadt mitzubestimmen. Der nächste Bozner Gemeinderat muss sich einsetzen, damit die Mitbestimmung der Bürger/innen klar und wirkungsvoll gesichert werden kann, denn jeder hat das Recht in der eigenen Stadt mitsprechen zu können.

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Territorium und Stadt

Bozen entwickelt sich entlang der Hänge von Guntschna und des Rittens im Norden und dem Kohlern im Osten, während sich die Stadt in Richtung Süden allmählich im landwirtschaftlichem Grün auflöst und auf der anderen Seite von der der Industriezone begrenzt wird. Es ist eine Stadt, die reich an Unterschieden ist, die durch die Beziehungen zwischen natürlicher Umwelt und bebautem Gebiet entstehen und die auch von den unterschiedlichen Charakteren der bebauten Areale selber und den naturbelassenen Räumen leben. Waldhänge drängen sich an landwirtschaftlich genutzte Gründe, ein Netz von Wasserläufen definiert zwangsweise das Geflecht der besiedelten Areale. Gleichzeitig sind die einzelnen Teile der Stadt durch eine Eigenständigkeit gekennzeichnet, die Unterschiede nach außen und Einheit nach innen schaffen. In der Stadt finden wir eine weitgehende Artikulierung von Räumen, aber wie viele davon werden wirklich gewohnt? Wie viele davon haben die wirkliche Potenzialität eines historischen Platzes, der Aggregation schafft. Plätze waren in der Stadt immer Orte, an denen man sich traf, wo man gesellschaftliche Beziehungen aufbaute, wo kreative Energie entstand, die nicht nur das einzelne Individuum sondern die gesamte Stadt bereicherte.

Bozen ist eine Stadt ohne Peripherie im traditionellen Sinn, ohne einen städtischen Bereich, der sich langsam in Richtung des landwirtschaftlichen Grüns auflöst und nur darauf wartet ebenfalls urbanisiert zu werden. Jedes Stadtviertel hat eine eigene, intensive Vitalität und es gibt an ihrem Rande nicht besondere, herabgekommene Situationen. Es gibt jedoch innerhalb der einzelnen Stadtviertel Teile, die sich selbst überlassen scheinen. Die Peripherie des Zentrums beginnt südlich des Dominikaner- und Walther-Platzes, so als ob es die Straßen zum Verdi-Platz nicht geben würde, als ob der Verdi-Platz ein Ort wäre, von dem man sich besser fern hält. Ähnliche Situationen gibt es auch in anderen Stadtvierteln, mit Autos und Verboten (spielen, plaudern) voll gestopfte Höfe, stellen eine Peripherie dar, die in ihren Herzen wachsen. Die Neufassung des Bauleitplanes muss der Herausforderung gewachsen sein, die Grenzen zwischen den Wohnzimmern unsere Stadt und dem Niemandsland aufzuheben.

Der neue Bauleitplan wird die Aufgabe haben, neue öffentliche Räume zu schaffen, die bewohnt werden können, Bozen von den Zwängen des Verkehrs, der Parkplätze und der Zäune zu befreien. Eine Stadt, die auf ihren Plätzen lebt, ist eine sichere, schöne und dynamische Stadt. Der neue Bauleitplan muss für die Bürger/innen Sicherheit schaffen, muss den Bürger/innen eine Stadt geben, in der es keine Einschränkungen der Freiheit gibt und wo sich Überwachungskameras als sinnlos erweisen. Das Ziel einer städtischen Planung in Bozen darf sich nicht auf die Definition von Zonen und Regeln beschränken, eine neue Urbanistik braucht insbesondere eine neue Qualität, die es erlaubt, dass sich die Energien der Stadt auch außerhalb der eigenen Stadtviertel zum Wohle der gesamten Stadt entwickeln. Das Ziel muss eine Stadt sein, die integriert und zusammen lebt.

Der neue Bauleitplan muss auch den Charakter der Gewerbezonen definieren. Die Industriezone ist ein Gebiet geworden, das durch unterschiedliche Aktivitäten gekennzeichnet ist und wo die Industrie immer mehr eine untergeordnete Rolle spielt. Die unterschiedlichen Funktionen wie Handwerk, Handel, Kleinbetriebe, Dienstleistungen und Wohnbereiche erfordern neue Planungsinstrumente, die den zeitgenössischen Anforderungen eher entsprechen als bestehende Pläne.

Die nächste Stadtregierung muss sich der Herausforderung der urbanistischen und architektonischen Qualität der Stadt stellen. Die Maßnahmen der Verwaltung müssen mit dem Ziel der Aufwertung städtischer Landschaften koordiniert werden. Technische Maßnahmen müssen an der Notwendigkeit gemessen werden, den Wert städtischer Räume zu schützen und Aufbrüche und Bedeutungsverluste zu vermeiden. Das Parkplatzproblem ist nur eines jener Probleme, bei denen technische Fragen vorgeschoben werden, um im städtischen Kontext Teile davon zu entqualifizieren. Bozen braucht einen City Architekt, eine Figur, die es bereits in vielen großen europäischen Städten gibt und der die Aufgabe zukommt, die Diskussion über architektonische Themen hoch zu halten und entscheidend für die Qualität zukünftiger Projekte in Bozen einzustehen.

Der Stadtarchitekt muss der Gemeinde beistehen, er muss helfen, die Interventionen in der Stadt zu definieren, präzise Hinweise geben, um die Qualität der Straßen, Plätze, Parkanlagen, Stadtviertel, öffentlichen Räume im allgemeinen zu verbessern. Es geht um Bürgersteige, angemessene öffentliche Beleuchtung usw.

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Stadt und Land

Bozen ist die Hauptstadt Südtirols. Bozen ist auch das Zentrum eines lebendigen Handels, der Kultur und des gesellschaftlichen Lebens. Die Vitalität, die Bozen kennzeichnet, führt dazu, dass diese Stadt nicht nur auf der Verwaltungsebene eine Führungsrolle im Lande übernommen hat: Bozen hat zum ersten Mal die Chance, auf Landes- und regionaler Ebene exzellentes zu leisten. Die Ansiedlung neuer Institutionen, die Stärkung der bestehenden Einrichtungen haben dazu geführt, dass die Stadt zu einem wichtigen Zentrum der politischen und kulturellen Arbeit geworden ist und im großen Netz der weitläufiger Beziehungen erstmals eine große Rolle spielen kann.

Jenen, die die Stadt in den nächsten Jahren führen werden, kommt die Aufgabe zu, die Identität zu stärken, das Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land zu lindern und die Emanzipation von der Landesregierung voranzutreiben, da diese oft kaum organisch agiert, Konflikte schafft und wenig an den urbanistischen Auswirkungen ihrer Entscheidungen interessiert ist. Eine paritätische Rolle der Stadt gegenüber dem Lande ist umso mehr notwendig, als in den nächsten Jahren kleine wie große Entscheidungen für Bozen anstehen. Die Grenze der Einstein-Straße in der Industriezone, die Wiedergewinnung und Umwandlung der Alumix, um dort einen Ort für innovative Produktionsprozesse zu schaffen, die Neugestaltung des Eisenbahnareals sind die wichtigsten Fragen in der Beziehung Land-Stadt und die Entscheidungen, die diesbezüglich getroffen werden, werden auf entscheidende Art und Weise die Entwicklung Bozens in den nächsten Jahren bestimmen. In diesem Sinne kann und darf Bozen keine untergeordnete Rolle spielen.

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Institutionen und Stadt

Bozen ist reich an Institutionen: Universität, Eurac, das Museum für moderne Kunst und all die anderen Museen, das Neue Stadttheater, das Auditorium Haydn, das Musikkonservatorium, das Permanente Sekretariat der Alpenkonvention. Auch gibt es noch weitere bedeutende Institutionen (NGO) die hier arbeiten. Ihnen allen kommt die Aufgabe zu, Intelligenz und lokales Wissen zu fördern, Bozen in die internationalen Forschungsnetze einzubinden und Kultur auf höchster Ebene zu schaffen. Sie sind die Tore zum Wissen. Durch sie kann Bozen zu einem Festpunkt der Moderne werden, einem Ort an dem Wissen, Kultur und innovative Bildung geschaffen werden, die im gesellschaftlichen und kulturellen Kontext höhere Qualität schaffen und die Stadt über die engen Grenzen des Landes hinaus wachsen lassen. Bozen hat die Chance, ein zentraler kultureller Angelpunkt im Herzen Europas zu werden. Bis heute haben jedoch diese Spitzenkräfte kaum Einfluss auf das städtische Leben genommen. Die Gemeinde muss sich das Ziel setzen, diese Kräfte stärker an die Stadt zu binden, ihnen mehr Sichtbarkeit zu schaffen. Das Permanente Sekretariat der Alpenkonvention ist z.B. eine diplomatische Niederlassung, eine internationale Organisation europäischen Ranges. In der Stadt wird dies nicht wahrgenommen.

In den nächsten Jahren muss die Anstrengung unternommen werden, in Bozen ein Klima der 'Besonderheit' zu schaffen. Es müssen die Institutionen wissenschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer und wirtschaftlicher Forschung in ein weitgestecktes Projekt miteinbezogen werden, das nicht nur auf die Aufwertung der Besonderheiten unserer Stadt zielt, sondern auch die anstehenden Veränderungen (Brenner Basistunnel) nutzt, um aus Bozen das erste und wichtigste Forschungszentrum der Alpen zu machen. Eine solche Bereicherung an Wissen kann die Bedingungen schaffen, dass die lokale Intelligenz nicht mehr abwandern muss und dass neue Kräfte in die Stadt kommen.

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Kulturen und Stadt

Das starke Aufleben kultureller Tätigkeiten in Bozen zeigt eine entschlossene Entwicklung, die bis vor wenigen Jahren nicht denkbar war. Der Wunsch, sich selber zu erzählen, von Leidenschaften, Ideen, anderen Welten zu berichten, ist offensichtlich. Und in Bozen gibt es inzwischen viele Welten. Multikulturalität ist eine der größten Herausforderungen unsere Zeit. Die Migrationsflüsse in Europa wie auch in Südtirol stellen diese Frage ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Integration soll gefördert werden, hierzu braucht es aber Wahrnehmung und Kenntnisse. Die gesellschaftliche Dimension kultureller Tätigkeit steht in diesem Falle im Vordergrund und jegliche Anstrengung in diese Richtung muss gefördert und an Programme zur Unterstützung der Integration gebunden werden. Es stellt sich aber auch die Herausforderung, Fähigkeiten zu entwickeln, die imstande sind, eine Kultur zu überwinden, die zwischen Hagiographie und Revanchismus pendelt. Was unsere Stadt betrifft, muss Gemeingut werden, Grundlage für Neues, für kritische Auseinandersetzungen. Hierzu braucht es neue Energien und Ideen. Gegenüber dieser Herausforderung bestreiten die Institutionen und die Kulturvereine unserer Stadt eine Art exzessiven Individualismus in der Definition ihrer Ziele und Programme. Die Suche nach einer sicherlich gerechtfertigten Autonomie scheint auf die Spitze getrieben und die einzelnen Kulturschaffenden bewegen sich nur im Rahmen ihrer eigenen vier Wände, ohne imstande zu sein, auszubrechen.

Die Kulturpolitik der Gemeinde muss sich das Ziel setzen, eine starke Verbindung zwischen Vereinigungen und Institutionen zu schaffen, nur so können gute Planungen und klare Inhalte realisiert werden.

Die Gemeinde muss dahingehend arbeiten, dass die Kulturschaffenden Teil des alltäglichen Lebens unserer Stadt werden. Dies heißt, dass besser projektiert werden muss (ich denke an das Rom des Renato Nicolini) und dass gleichzeitig über eine Informationsplattform die Kommunikation verbessert wird. So können insbesonders weniger strukturierte Organisationen gefördert werden.

Was nun die Definition der grundlegenden Inhalte betrifft, ist es notwendig, dass ein Projekt ausgearbeitet wird, welches lokale Ressourcen insbesondere zur kulturellen Produktion und weniger zur Zu-Schau-Stellung aufwertet und klare Themen und Ziele definiert, die im Sinne einer zeitgenössischen Beobachtungsstelle realisiert werden können. Es geht um die Erinnerung, die dynamisch und konstruktiv und ohne Mystifizierungen aufgearbeitet werden muss, Produktionen müssen unterstützt werden, die unabhängig sind und ihre Wurzeln in unserer Zeit haben.

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Ladiner und Stadt

Bei diesen Wahlen ergibt sich für die Ladiner eine wichtige Möglichkeit politischer Neubestimmung. Es scheint nicht mehr notwendig zu sein, dass sich die Ladiner um eine Liste scharen, deren einzige Grundlage die sprachliche Zugehörigkeit ist. Die Ladiner sind in unserer Stadt solide verwurzelt. Sie arbeiten als aktive Protagonisten in allen beruflichen Sektoren, in der öffentlichen Verwaltung und den Vereinen. Weiters beweist die Tatsache, dass sich eine politische Formation, die nur auf der Notwendigkeit der kulturellen Bewahrung ruhte, aufgelöst hat und die Ladiner sich unterschiedlichen politischen Projekten zugewandt haben, die hohe politische Reife der Bozner Stadt und weist in die Richtung, die die Politik in der Zukunft in Südtirol einschlagen kann: Eine Dimension, in welcher Inhalte Vorrang haben und nicht die immer weiter aufbrechenden Grenzen zwischen den Sprachgruppen. Die Ladiner stellen sich somit den Herausforderungen unserer Zeit und beweisen wieder einmal, dass Unterschiede einen Reichtum darstellen und dass gerade sie heute in der Stadt und morgen im Lande einen Beitrag leisten können, verrostete Strukturen aufzubrechen und den Inhalten Vorrang zu geben.

Der politische Einsatz der Bozner Ladiner stellt eine wichtige politische Werkstatt dar. Sie bringen der Stadt ein konkretes Beispiel gelebter Mehrsprachigkeit. Sie können einen konkreten Beitrag zur Integration zwischen den Sprachgruppen und in Zukunft auch zwischen der lokalen Kultur und den neu zugewanderten Kräften stellen.

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Verkehr und Stadt

Der Verkehr ist vielleicht die offensichtlichste Charakteristik einer zeitgenössischen Stadt. Die Konzentration verschiedener Funktionen in den Hauptzentren schafft Anziehungspunkte für verschiedene Ströme: Pendler, Warenverteilung, Handwerker, Touristen, Shopping. Staus sind die ständigen Begleiterscheinungen moderner Städte und Bozen macht da keine Ausnahme. Das tägliche Verkehrsaufkommen in der Stadt ist sehr hoch. Die Gründe für Fahrten sind auch gerechtfertigt, da das Recht auf Mobilität gerechtfertigt ist. Mehr noch, das Recht auf Mobilität ist eines der Grundrechte der Menschen und ein Stau ist das erste Hindernis auf dem Wege zu einer vollen Verwirklichung dieses Rechtes. Die Zeit, die wir im Stau stehen, die Probleme für die Menschen, die zu Fuß gehen, die Langsamkeit öffentlicher Verkehrsmittel sind das Ergebnis eines Missbrauchs seitens jener, die nicht imstande sind auf das eigene Auto zu verzichten. In wie vielen Autos in unserer Stadt sitzt nur ein Mensch? Viele Autos fahren nur von einem Ende der Stadt zum anderen. Kann man diesem Phänomen nicht Einhalt bieten? Die Schäden, die durch den übertriebenen Verkehr hervorgerufen werden, sind groß und haben wesentliche gesellschaftliche Folgen. Dabei geht es nicht nur um den Stress der Fahrer. Wenn auch Umberto Veronesi festgestellt hat, dass eine direkte Verbindung zwischen den Abgasen der Autos und Krebs nicht nachgewiesen werden kann, so liegt inzwischen doch klar auf der Hand, welche Wechselbeziehung es zwischen Luftverschmutzung durch Abgase und Lungenerkrankungen oder Allergien gibt. Das Benzen, wichtiger Zusatzstoff bleifreien Benzins, scheint ein Nervengift zu sein. Auf einer ganz banalen Ebene jedoch braucht man nur einmal die Zeit betrachten, die man im Stau verliert, die man braucht, um auf ein öffentliches Verkehrsmittel zu warten oder um einfach eine verkehrsreiche Straße zu überqueren. Kann man hier vorbeugen oder einschränken? In verschiedenen Städten wurden unterschiedliche Systeme eingesetzt, um den Verkehr einzuschränken. Dabei ging es in erster Linie nicht einmal um die Umweltverschmutzung. Die Aufsehen erregendste Lösung hat man in London eingeführt, wo man für die Stadt ein Eintrittsgeld zahlen muss. Dies gibt es schon länger auch in amerikanischen Städten, insbesondere aber in New York, wo man Brückengeld bezahlen muss. Natürlich ist es schwierig, solche drastischen Maßnahmen auch für Bozen vorzusehen. In Bozen kann man sich jedoch für einen multimodalen Verkehr für Pendler einsetzen, für Park-and-ride-Parkplätze in der Peripherie, für starke Netze öffentlichen Verkehrs, für Car-pooling und die Zufahrt nur jenen Autos erlauben, in welchen wenigstens drei Personen fahren. Gleichzeitig müssen die farbigen Zonen neu definiert werden. Heute sind sie einfach zu groß. Hierzu braucht es natürlich plausible Alternativen, wie besseren öffentlichen Verkehr, Vorzugsspuren, neue Verkehrsmittel wie Straßenbahn oder O-Bus. Gleichzeitig muss aber auch die Qualität des städtischen Freiraumes aufgewertet werden; es braucht breitere Gehsteige, ein größeres Radwegenetz, damit immer mehr Bürger/innen ihr Auto zu Hause lassen.

Die Infrastrukturen rund um die Stadt müssen verbessert werden. Die Eisackuferstraße muss verdoppelt, periphere Parkplätze ausgebaut und alternative Systeme zur Anbindung dieser Parkplätze an die Stadt entworfen werden.

Multimodale Systeme braucht es auch für den Warenverkehr in der Stadt. Ein logistisches Warenverteilungszentrum in der Industriezone muss ehestens verwirklicht werden. Neue Regeln für die Fahrt in die Stadt sind notwendig und die Warnverteilung darf nur mit umweltfreundlichen Transportmitteln erfolgen.

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Jugendlichen und Stadt

Es gibt eine paradoxe Beziehung zwischen der Jugend und der Stadt: Einerseits werden Orte der Aggregation und des Zusammentreffens geschaffen, andererseits werden immer mehr einschränkende Regeln auferlegt. Die Folge ist, dass die Jugendlichen sich in der Nähe der Lokale treffen und nicht an für sie bestimmte Orte, wo sie sich weniger frei bewegen können. Das Freizeitmodell, das daraus entstanden ist, ist sehr komplex und harte Haltungen gegen die Lebhaftigkeit, die Lust sich zu treffen und unterhalten nützen nicht. Was aber immer sichtbarer wird und starke Auswirkungen auf die junge Generation hat, ist das mangelnde Vertrauen in ihre Fähigkeiten, die eigenen Freizeit selbständig zu gestalten.

Der Einsatz der Gemeinde für die Jugend muss sich konkretisieren, Jugendliche sind verantwortungsbewusste Mitbürger/innen die selbständig und kreativ leben möchten. Ihnen müssen Strukturen zur Verfügung gestellt werden, wo sie ihre Wünsche, Träume und auch ihre Lebenslust ausleben können. Sicherlich ist der Kubo in wichtiger Treffpunkt aber er liegt außerhalb des Radius, den die Jugendlichen tagtäglich beleben und er ist auch nur mit einem privaten Verkehrsmittel erreichbar, da die öffentlichen Busse zu den Veranstaltungszeiten kaum mehr fahren. Die Öffnung der Geschäfte am Samstag Nachmittag bietet eine der wenigen Möglichkeiten für Jugendliche etwas einzukaufen, da sie unter der Woche zumeist zu stark beschäftigt sind. Jedoch die Unterstützung zum Heranreifen einer verantwortlichen Selbständigkeit darf sich nicht darauf beschränken. Ich denke z.B. an eine Ideenwerkstatt, Räumlichkeiten, die den Jugendlichen für eigene Projekte gratis zur Verfügung gestellt werden und wo sie ihre Ideen und Träume verwirklichen können.

Die Ziele einer städtischen Politik müssen in der Schaffung von mehr kreativen Treffpunkten für die Jugendlichen bestehen, in der Verbesserung des öffentlichen Verkehrs und der Öffnung der Geschäfte auch am Samstag Nachmittag.

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Projekte für eine wohnliche Stadt


10 Plätze für Bozen

Dieses Projekt hat zum Ziel, den städtischen Raum wieder aufzuwerten. In jedem Stadtviertel sollten wenigstens zwei Plätze wiedergewonnen werden, für die Bürger/innen da sein, damit sie stärker für das öffentlichen Leben zur Verfügung stehen, als Werkstatt für neue Ideen und Treffpunkte dienen können. Entlang des Netzes, welches durch die Plätze und die Verbindungsstraßen gekennzeichnet ist, sollen Dinge geschehen. Mit anderen Worten, hier können Events stattfinden, Installationen aufgestellt werden, Ruhepunkte oder Orte dynamischer Aktion entstehen. Das Projekt muss offen und fließend gehalten werden, Räume müssen gefunden werden, die aufzuwerten sind und die sich auch in der Wahrnehmung und dem Denken der Bürger/innen verankern. Das Projekt soll Neugier schaffen, die Lust an Mitbestimmung und Beteiligung wecken.

Ideenwerkstatt

Die alte Remise der Rittner Bahn

Die Ideenwerkstatt besteht aus einer Reihe von Räumlichkeiten, die den Jugendlichen, die Kultur schaffen wollen, zur Verfügung gestellt werden. Die Räume müssen gratis angeboten werden. Die Grundlage sollte ein Vertrag bilden, der Ziele und Inhalte definiert, die sich die Gemeinde stellen muss. Die Form ist die einer Beobachtungsstelle der zeitgenössischen Phänomene. In dieser Struktur sollten Projekte angesiedelt werden, die unter verschiedenen Gesichtspunkten zeitgenössische Phänomene untersuchen, zukünftige Szenarien entwerfen und neue Ideen für die Stadt entwickeln.

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