thomas demetz
die
begründungen meiner beteiligung und meine zielsetzungen


Die
Stadt
wohnen
Die
Stadt wohnen heißt
alle Räume bewohnen, sie in Treffpunkte verwandeln, vom
Waltherplatz bis zu den
einzelnen Höfen; Beziehungen schaffen und verstärken,
die voll von kreativen
Potenzialitäten sind und nicht nur Orte des schnellen
Vorübereilens.
Die
Stadt wohnen heißt,
aus den eigenen Häusern, den eigenen Autos herausgehen, um
sich unter die
Menschen zu mischen, sich mit den Unterschieden auseinandersetzen, mit
denen
wir in dieser Welt tagtäglich konfrontiert werden, das
heißt nicht als
Spaziergänger sondern als Entdeckungsreisender die vielen
Energien dieser Stadt
zu entdecken.
Die
Stadt wohnen heißt
der Neugier freien Lauf zu lassen, althergebrachte Gewohnheiten
aufzugeben, um
sich im Kontakt mit anderen zu bereichern und auf den
alltäglichen Trott zu
verzichten.
Die
Stadt wohnen
bedeutet, die eignen Ideen in Umlauf zu bringen und jene der anderen
aufnehmen.
Es ist nicht Solidarität oder „politically
correct“
sondern der Wunsch
nach Gemeinschaft.
Die
Stadt wohnen
erfordert Gleichzeitigkeit, die Arbeit an den kollektiven und
individuellen
Geschichten in Funktion einer neuen Bürgerschaft, die aktiver
und bewusster die
Stadt lebt.
Die
Stadt wohnen ist ein
Projekt mit dem Ziel der Aufwertung der
Verschiedenheiten,
der Beiträge der einzelnen, des Kreislaufes von Kultur und
Identitäten, der
Schaffung neuer Wurzeln für eine Stadt der Qualität,
die emanzipiert und
integriert ist.
Die
Herausforderung unserer
Zeit
Die
Menschen und die Stadt
Territorium
und Stadt
Stadt
und Land
Institutionen
und Stadt
Kulturen
und Stadt
Ladiner
und
Stadt
Verkehr
und Stadt
Jugendlichen
und Stadt
Projekte für eine
wohnliche Stadt
Die
Herausforderung unserer
Zeit
Die
Welt, die uns umgibt, verändert sich andauernd. Die Zeichen
sind nicht
immer auch sofort lesbar und oft merken wir die Veränderungen
der Vergangenheit
erst später. Unsere Epoche ist durch eine Situation
gekennzeichnet, die
kontinuierlich die Veränderungen unserer Welt zur Schau
stellt. Zu den lokalen
Dynamiken gesellen sich soziale, politische, ökonomische und
kulturelle
Phänomene, die fern von uns entstehen und sich entwickeln.
Unsere
zeitgenössische Präsenz, unser Leben ist reich an
Chancen, die aus einer Welt
kommen, die immer stärker verflochten ist. Diese Chancen
stellen unsere Stadt
vor wichtige Herausforderungen: Die Besonderheiten Bozens
müssen mit den großen
Herausforderungen der Homogenisierung einer globalen Welt in Einklang
gebracht
werden und schließlich jene Veränderungen schaffen,
auf die unser Land wartet.
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Die
Menschen und die Stadt
Die
Menschen sind der
Motor der Stadt. Ihre Ideen, Leidenschaften, Träume,
Wünsche und Erwartungen
sind die Energie, die in den Adern Bozens fließt, sie belebt
und wachsen lässt.
Die Menschen bauen die Zukunft der Stadt, schaffen ihre Geschichte,
indem sie
die alltäglichen Geschichten der einzelnen
zusammenführen. Den Menschen, die
tagtäglich diese Stadt leben, bauen, bewohnen, steht das Recht
zu, an den
Entscheidungen teilzuhaben, die den Rahmen der Entwicklung definieren.
Der
nächste Gemeinderat wird entscheiden müssen, was
unsere Stadt in zehn Jahren
sein wird, was mit den Menschen geschieht, die diese Stadt leben werden
und die
ihre eigenen Träume verwirklichen möchten. Sie
müssen die Möglichkeit haben,
aktiv und konstruktiv die Politik für unsere Stadt
mitzubestimmen. Der nächste
Bozner Gemeinderat muss sich einsetzen, damit die Mitbestimmung der
Bürger/innen
klar und wirkungsvoll gesichert werden kann, denn jeder hat das Recht
in der
eigenen Stadt mitsprechen zu können.
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Territorium
und Stadt
Bozen
entwickelt sich
entlang der Hänge von Guntschna und des Rittens im Norden und
dem Kohlern im
Osten, während sich die Stadt in Richtung Süden
allmählich im
landwirtschaftlichem Grün auflöst und auf der anderen
Seite von der der Industriezone
begrenzt wird. Es ist eine Stadt, die reich an Unterschieden ist, die
durch die
Beziehungen zwischen natürlicher Umwelt und bebautem Gebiet
entstehen und die auch
von den unterschiedlichen Charakteren der bebauten Areale selber und
den
naturbelassenen Räumen leben. Waldhänge
drängen sich an landwirtschaftlich
genutzte Gründe, ein Netz von Wasserläufen definiert
zwangsweise das Geflecht
der besiedelten Areale. Gleichzeitig sind die einzelnen Teile der Stadt
durch
eine Eigenständigkeit gekennzeichnet, die Unterschiede nach
außen und Einheit
nach innen schaffen. In der Stadt finden wir eine weitgehende
Artikulierung von
Räumen, aber wie viele davon werden wirklich gewohnt? Wie
viele davon haben die
wirkliche Potenzialität eines historischen Platzes, der
Aggregation schafft.
Plätze waren in der Stadt immer Orte, an denen man sich traf,
wo man
gesellschaftliche Beziehungen aufbaute, wo kreative Energie entstand,
die nicht
nur das einzelne Individuum sondern die gesamte Stadt bereicherte.
Bozen
ist eine Stadt
ohne Peripherie im traditionellen Sinn, ohne einen städtischen
Bereich, der
sich langsam in Richtung des landwirtschaftlichen Grüns
auflöst und nur darauf
wartet ebenfalls urbanisiert zu werden. Jedes Stadtviertel hat eine
eigene,
intensive Vitalität und es gibt an ihrem Rande nicht
besondere, herabgekommene
Situationen. Es gibt jedoch innerhalb der einzelnen Stadtviertel Teile,
die
sich selbst überlassen scheinen. Die Peripherie des Zentrums
beginnt südlich
des Dominikaner- und Walther-Platzes, so als ob es die
Straßen zum Verdi-Platz
nicht geben würde, als ob der Verdi-Platz ein Ort
wäre, von dem man sich besser
fern hält. Ähnliche Situationen gibt es auch in
anderen Stadtvierteln, mit
Autos und Verboten (spielen, plaudern) voll gestopfte Höfe,
stellen eine
Peripherie dar, die in ihren Herzen wachsen. Die Neufassung des
Bauleitplanes
muss der Herausforderung gewachsen sein, die Grenzen zwischen den
Wohnzimmern
unsere Stadt und dem Niemandsland aufzuheben.
Der
neue Bauleitplan
wird die Aufgabe haben, neue öffentliche Räume zu
schaffen, die bewohnt werden
können, Bozen von den Zwängen des Verkehrs, der
Parkplätze und der Zäune zu
befreien. Eine Stadt, die auf ihren Plätzen lebt, ist eine
sichere, schöne und
dynamische Stadt. Der neue Bauleitplan muss für die
Bürger/innen Sicherheit
schaffen, muss den Bürger/innen eine Stadt geben, in der es
keine
Einschränkungen der Freiheit gibt und wo sich
Überwachungskameras als sinnlos
erweisen. Das Ziel einer städtischen Planung in Bozen darf
sich nicht auf die
Definition von Zonen und Regeln beschränken, eine neue
Urbanistik braucht
insbesondere eine neue Qualität, die es erlaubt, dass sich die
Energien der
Stadt auch außerhalb der eigenen Stadtviertel zum Wohle der
gesamten Stadt
entwickeln. Das Ziel muss eine Stadt sein, die integriert und zusammen
lebt.
Der
neue Bauleitplan
muss auch den Charakter der Gewerbezonen definieren. Die Industriezone
ist ein
Gebiet geworden, das durch unterschiedliche Aktivitäten
gekennzeichnet ist und
wo die Industrie immer mehr eine untergeordnete Rolle spielt. Die
unterschiedlichen Funktionen wie Handwerk, Handel, Kleinbetriebe,
Dienstleistungen und Wohnbereiche erfordern neue Planungsinstrumente,
die den
zeitgenössischen Anforderungen eher entsprechen als bestehende
Pläne.
Die
nächste
Stadtregierung muss sich der Herausforderung der urbanistischen und
architektonischen Qualität der Stadt stellen. Die
Maßnahmen der Verwaltung
müssen mit dem Ziel der Aufwertung städtischer
Landschaften koordiniert werden.
Technische Maßnahmen müssen an der Notwendigkeit
gemessen werden, den Wert
städtischer Räume zu schützen und
Aufbrüche und Bedeutungsverluste zu
vermeiden. Das Parkplatzproblem ist nur eines jener Probleme, bei denen
technische Fragen vorgeschoben werden, um im städtischen
Kontext Teile davon zu
entqualifizieren. Bozen braucht einen City Architekt, eine Figur, die
es bereits
in vielen großen europäischen Städten gibt
und der die Aufgabe zukommt, die
Diskussion über architektonische Themen hoch zu halten und
entscheidend für die
Qualität zukünftiger Projekte in Bozen einzustehen.
Der
Stadtarchitekt muss
der Gemeinde beistehen, er muss helfen, die Interventionen in der Stadt
zu
definieren, präzise Hinweise geben, um die Qualität
der Straßen, Plätze,
Parkanlagen, Stadtviertel, öffentlichen Räume im
allgemeinen zu verbessern. Es
geht um Bürgersteige, angemessene öffentliche
Beleuchtung usw.
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Stadt
und Land
Bozen
ist die Hauptstadt
Südtirols. Bozen ist auch das Zentrum eines lebendigen
Handels, der Kultur und
des gesellschaftlichen Lebens. Die Vitalität, die Bozen
kennzeichnet, führt
dazu, dass diese Stadt nicht nur auf der Verwaltungsebene eine
Führungsrolle im
Lande übernommen hat: Bozen hat zum ersten Mal die Chance, auf
Landes- und
regionaler Ebene exzellentes zu leisten. Die Ansiedlung neuer
Institutionen,
die Stärkung der bestehenden Einrichtungen haben dazu
geführt, dass die Stadt zu
einem wichtigen Zentrum der politischen und kulturellen Arbeit geworden
ist und
im großen Netz der weitläufiger Beziehungen erstmals
eine große Rolle spielen
kann.
Jenen,
die die Stadt in
den nächsten Jahren führen werden, kommt die Aufgabe
zu, die Identität zu
stärken, das Ungleichgewicht zwischen Stadt und Land zu
lindern und die
Emanzipation von der Landesregierung voranzutreiben, da diese oft kaum
organisch
agiert, Konflikte schafft und wenig an den urbanistischen Auswirkungen
ihrer
Entscheidungen interessiert ist. Eine paritätische Rolle der
Stadt gegenüber
dem Lande ist umso mehr notwendig, als in den nächsten Jahren
kleine wie große
Entscheidungen für Bozen anstehen. Die Grenze der
Einstein-Straße in der
Industriezone, die Wiedergewinnung und Umwandlung der Alumix, um dort
einen Ort
für innovative Produktionsprozesse zu schaffen, die
Neugestaltung des
Eisenbahnareals sind die wichtigsten Fragen in der Beziehung Land-Stadt
und die
Entscheidungen, die diesbezüglich getroffen werden, werden auf
entscheidende
Art und Weise die Entwicklung Bozens in den nächsten Jahren
bestimmen. In
diesem Sinne kann und darf Bozen keine untergeordnete Rolle spielen.
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Institutionen
und Stadt
Bozen
ist reich an
Institutionen: Universität, Eurac, das Museum für
moderne Kunst und all die
anderen Museen, das Neue Stadttheater, das Auditorium Haydn, das
Musikkonservatorium,
das Permanente Sekretariat der Alpenkonvention. Auch gibt es noch
weitere
bedeutende Institutionen (NGO) die hier arbeiten. Ihnen allen kommt die
Aufgabe
zu, Intelligenz und lokales Wissen zu fördern, Bozen in die
internationalen
Forschungsnetze einzubinden und Kultur auf höchster Ebene zu
schaffen. Sie sind
die Tore zum Wissen. Durch sie kann Bozen zu einem Festpunkt der
Moderne
werden, einem Ort an dem Wissen, Kultur und innovative Bildung
geschaffen
werden, die im gesellschaftlichen und kulturellen Kontext
höhere Qualität
schaffen und die Stadt über die engen Grenzen des Landes
hinaus wachsen lassen.
Bozen hat die Chance, ein zentraler kultureller Angelpunkt im Herzen
Europas zu
werden. Bis heute haben jedoch diese Spitzenkräfte kaum
Einfluss auf das
städtische Leben genommen. Die Gemeinde muss sich das Ziel
setzen, diese Kräfte
stärker an die Stadt zu binden, ihnen mehr Sichtbarkeit zu
schaffen. Das
Permanente Sekretariat der Alpenkonvention ist z.B. eine diplomatische
Niederlassung, eine internationale Organisation europäischen
Ranges. In der
Stadt wird dies nicht wahrgenommen.
In
den nächsten Jahren muss die Anstrengung unternommen werden,
in Bozen
ein Klima der 'Besonderheit' zu schaffen. Es
müssen die Institutionen
wissenschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer und
wirtschaftlicher
Forschung in ein weitgestecktes Projekt miteinbezogen werden, das nicht
nur auf
die Aufwertung der Besonderheiten
unserer Stadt zielt, sondern auch die
anstehenden Veränderungen (Brenner
Basistunnel) nutzt, um aus Bozen das erste
und wichtigste Forschungszentrum der Alpen zu machen. Eine solche
Bereicherung
an Wissen kann die Bedingungen schaffen, dass die lokale Intelligenz
nicht mehr
abwandern muss und dass neue Kräfte in die Stadt kommen.
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Kulturen
und Stadt
Das
starke Aufleben kultureller
Tätigkeiten in Bozen zeigt eine entschlossene Entwicklung, die
bis vor wenigen
Jahren nicht denkbar war. Der Wunsch, sich selber zu erzählen,
von
Leidenschaften, Ideen, anderen Welten zu berichten, ist offensichtlich.
Und in
Bozen gibt es inzwischen viele Welten. Multikulturalität ist
eine der größten
Herausforderungen unsere Zeit. Die Migrationsflüsse in Europa
wie auch in
Südtirol stellen diese Frage ins Zentrum der Aufmerksamkeit.
Integration soll
gefördert werden, hierzu braucht es aber Wahrnehmung und
Kenntnisse. Die
gesellschaftliche Dimension kultureller Tätigkeit steht in
diesem Falle im
Vordergrund und jegliche Anstrengung in diese Richtung muss
gefördert und an
Programme zur Unterstützung der Integration gebunden werden.
Es stellt sich
aber auch die Herausforderung, Fähigkeiten zu entwickeln, die
imstande sind,
eine Kultur zu überwinden, die zwischen Hagiographie und
Revanchismus pendelt. Was
unsere Stadt betrifft, muss Gemeingut werden, Grundlage für
Neues, für
kritische Auseinandersetzungen. Hierzu braucht es neue Energien und
Ideen.
Gegenüber dieser Herausforderung bestreiten die Institutionen
und die
Kulturvereine unserer Stadt eine Art exzessiven Individualismus in der
Definition ihrer Ziele und Programme. Die Suche nach einer sicherlich
gerechtfertigten Autonomie scheint auf die Spitze getrieben und die
einzelnen
Kulturschaffenden bewegen sich nur im Rahmen ihrer eigenen vier
Wände, ohne
imstande zu sein, auszubrechen.
Die
Kulturpolitik der
Gemeinde muss sich das Ziel setzen, eine starke Verbindung zwischen
Vereinigungen
und Institutionen zu schaffen, nur so können gute Planungen
und klare Inhalte
realisiert werden.
Die
Gemeinde muss
dahingehend arbeiten, dass die Kulturschaffenden Teil des
alltäglichen Lebens
unserer Stadt werden. Dies heißt, dass besser projektiert
werden muss (ich
denke an das Rom des Renato Nicolini) und dass gleichzeitig
über eine
Informationsplattform die Kommunikation verbessert wird. So
können insbesonders
weniger strukturierte Organisationen gefördert werden.
Was
nun die Definition
der grundlegenden Inhalte betrifft, ist es notwendig, dass ein Projekt
ausgearbeitet wird, welches lokale Ressourcen insbesondere zur
kulturellen Produktion
und weniger zur Zu-Schau-Stellung aufwertet und klare Themen und Ziele
definiert, die im Sinne einer zeitgenössischen
Beobachtungsstelle realisiert
werden können. Es geht um die Erinnerung, die dynamisch und
konstruktiv und
ohne Mystifizierungen aufgearbeitet werden muss, Produktionen
müssen
unterstützt werden, die unabhängig sind und ihre
Wurzeln in unserer Zeit haben.
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Ladiner
und
Stadt
Bei
diesen Wahlen ergibt
sich für die Ladiner eine wichtige Möglichkeit
politischer Neubestimmung. Es
scheint nicht mehr notwendig zu sein, dass sich die Ladiner um eine
Liste
scharen, deren einzige Grundlage die sprachliche Zugehörigkeit
ist. Die Ladiner
sind in unserer Stadt solide verwurzelt. Sie arbeiten als aktive
Protagonisten
in allen beruflichen Sektoren, in der öffentlichen Verwaltung
und den
Vereinen.
Weiters beweist die Tatsache, dass sich eine politische Formation, die
nur auf der
Notwendigkeit der kulturellen Bewahrung ruhte, aufgelöst hat
und die Ladiner
sich unterschiedlichen politischen Projekten zugewandt haben, die hohe
politische Reife der Bozner Stadt und weist in die Richtung, die die
Politik in
der Zukunft in Südtirol einschlagen kann: Eine Dimension, in
welcher Inhalte
Vorrang haben und nicht die immer weiter aufbrechenden Grenzen zwischen
den
Sprachgruppen. Die Ladiner stellen sich somit den Herausforderungen
unserer
Zeit und beweisen wieder einmal, dass Unterschiede einen Reichtum
darstellen
und dass gerade sie heute in der Stadt und morgen im Lande einen
Beitrag
leisten können, verrostete Strukturen aufzubrechen und den
Inhalten Vorrang zu
geben.
Der
politische Einsatz
der Bozner Ladiner stellt eine wichtige politische Werkstatt dar. Sie
bringen
der Stadt ein konkretes Beispiel gelebter Mehrsprachigkeit. Sie
können einen
konkreten Beitrag zur Integration zwischen den Sprachgruppen und in
Zukunft
auch zwischen der lokalen Kultur und den neu zugewanderten
Kräften stellen.
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Verkehr
und Stadt
Der
Verkehr ist
vielleicht die offensichtlichste Charakteristik einer
zeitgenössischen Stadt.
Die Konzentration verschiedener Funktionen in den Hauptzentren schafft
Anziehungspunkte für verschiedene Ströme: Pendler,
Warenverteilung, Handwerker,
Touristen, Shopping. Staus sind die ständigen
Begleiterscheinungen moderner
Städte und Bozen macht da keine Ausnahme. Das
tägliche Verkehrsaufkommen in der
Stadt ist sehr hoch. Die Gründe für Fahrten sind auch
gerechtfertigt, da das
Recht auf Mobilität gerechtfertigt ist. Mehr noch, das Recht
auf Mobilität ist
eines der Grundrechte der Menschen und ein Stau ist das erste Hindernis
auf dem
Wege zu einer vollen Verwirklichung dieses Rechtes. Die Zeit, die wir
im Stau
stehen, die Probleme für die Menschen, die zu Fuß
gehen, die Langsamkeit
öffentlicher Verkehrsmittel sind das Ergebnis eines
Missbrauchs seitens jener,
die nicht imstande sind auf das eigene Auto zu verzichten. In wie
vielen Autos
in unserer Stadt sitzt nur ein Mensch? Viele Autos fahren nur von einem
Ende
der Stadt zum anderen. Kann man diesem Phänomen nicht Einhalt
bieten? Die
Schäden, die durch den übertriebenen Verkehr
hervorgerufen werden, sind groß
und haben wesentliche gesellschaftliche Folgen. Dabei geht es nicht nur
um den
Stress der Fahrer. Wenn auch Umberto Veronesi festgestellt hat, dass
eine
direkte Verbindung zwischen den Abgasen der Autos und Krebs nicht
nachgewiesen
werden kann, so liegt inzwischen doch klar auf der Hand, welche
Wechselbeziehung es zwischen Luftverschmutzung durch Abgase und
Lungenerkrankungen oder Allergien gibt. Das Benzen, wichtiger
Zusatzstoff
bleifreien Benzins, scheint ein Nervengift zu sein. Auf einer ganz
banalen
Ebene jedoch braucht man nur einmal die Zeit betrachten, die man im
Stau
verliert, die man braucht, um auf ein öffentliches
Verkehrsmittel zu warten
oder um einfach eine verkehrsreiche Straße zu
überqueren. Kann man hier
vorbeugen oder einschränken? In verschiedenen Städten
wurden unterschiedliche Systeme
eingesetzt, um den Verkehr einzuschränken. Dabei ging es in
erster Linie nicht
einmal um die Umweltverschmutzung. Die Aufsehen erregendste
Lösung hat man in
London eingeführt, wo man für die Stadt ein
Eintrittsgeld zahlen muss. Dies
gibt es schon länger auch in amerikanischen Städten,
insbesondere aber in New
York, wo man Brückengeld bezahlen muss. Natürlich ist
es schwierig, solche
drastischen Maßnahmen auch für Bozen vorzusehen. In
Bozen kann man sich jedoch
für einen multimodalen Verkehr für Pendler einsetzen,
für Park-and-ride-Parkplätze
in der Peripherie, für starke Netze öffentlichen
Verkehrs, für Car-pooling und
die Zufahrt nur jenen Autos erlauben, in welchen wenigstens drei
Personen
fahren. Gleichzeitig müssen die farbigen Zonen neu definiert
werden. Heute sind
sie einfach zu groß. Hierzu braucht es natürlich
plausible Alternativen, wie
besseren öffentlichen Verkehr, Vorzugsspuren, neue
Verkehrsmittel wie
Straßenbahn oder O-Bus. Gleichzeitig muss aber auch die
Qualität des
städtischen Freiraumes aufgewertet werden; es braucht breitere
Gehsteige, ein
größeres Radwegenetz, damit immer mehr
Bürger/innen ihr Auto zu Hause lassen.
Die
Infrastrukturen rund
um die Stadt müssen verbessert werden. Die
Eisackuferstraße muss verdoppelt,
periphere Parkplätze ausgebaut und alternative Systeme zur
Anbindung dieser
Parkplätze an die Stadt entworfen werden.
Multimodale
Systeme
braucht es auch für den Warenverkehr in der Stadt. Ein
logistisches
Warenverteilungszentrum in der Industriezone muss ehestens verwirklicht
werden.
Neue Regeln für die Fahrt in die Stadt sind notwendig und die
Warnverteilung
darf nur mit umweltfreundlichen Transportmitteln erfolgen.
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Jugendlichen
und Stadt
Es
gibt eine paradoxe
Beziehung zwischen der Jugend und der Stadt: Einerseits werden Orte der
Aggregation
und des Zusammentreffens geschaffen, andererseits werden immer mehr
einschränkende Regeln auferlegt. Die Folge ist, dass die
Jugendlichen sich in
der Nähe der Lokale treffen und nicht an für sie
bestimmte Orte, wo sie sich weniger
frei bewegen können. Das Freizeitmodell, das daraus entstanden
ist, ist sehr
komplex und harte Haltungen gegen die Lebhaftigkeit, die Lust sich zu
treffen
und unterhalten nützen nicht. Was aber immer sichtbarer wird
und starke
Auswirkungen auf die junge Generation hat, ist das mangelnde Vertrauen
in ihre
Fähigkeiten, die eigenen Freizeit selbständig zu
gestalten.
Der
Einsatz der Gemeinde
für die Jugend muss sich konkretisieren, Jugendliche sind
verantwortungsbewusste Mitbürger/innen die
selbständig und kreativ leben
möchten. Ihnen müssen Strukturen zur
Verfügung gestellt werden, wo sie ihre
Wünsche, Träume und auch ihre Lebenslust ausleben
können. Sicherlich ist der
Kubo in wichtiger Treffpunkt aber er liegt außerhalb des
Radius, den die
Jugendlichen tagtäglich beleben und er ist auch nur mit einem
privaten
Verkehrsmittel erreichbar, da die öffentlichen Busse zu den
Veranstaltungszeiten kaum mehr fahren. Die Öffnung der
Geschäfte am Samstag Nachmittag
bietet eine der wenigen Möglichkeiten für Jugendliche
etwas einzukaufen, da sie
unter der Woche zumeist zu stark beschäftigt sind. Jedoch die
Unterstützung zum
Heranreifen einer verantwortlichen Selbständigkeit darf sich
nicht darauf
beschränken. Ich denke z.B. an eine Ideenwerkstatt,
Räumlichkeiten, die den
Jugendlichen für eigene Projekte gratis zur Verfügung
gestellt werden und wo
sie ihre Ideen und Träume verwirklichen können.
Die
Ziele einer
städtischen Politik müssen in der Schaffung von mehr
kreativen Treffpunkten für
die Jugendlichen bestehen, in der Verbesserung des
öffentlichen Verkehrs und der
Öffnung der Geschäfte auch am Samstag Nachmittag.
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Projekte
für eine
wohnliche Stadt
10
Plätze
für Bozen
Dieses
Projekt hat zum Ziel,
den städtischen Raum wieder aufzuwerten. In jedem Stadtviertel
sollten
wenigstens zwei Plätze wiedergewonnen werden, für die
Bürger/innen da sein,
damit sie stärker für das öffentlichen Leben
zur Verfügung stehen, als
Werkstatt für neue Ideen und Treffpunkte dienen
können. Entlang des Netzes,
welches durch die Plätze und die Verbindungsstraßen
gekennzeichnet ist, sollen
Dinge geschehen. Mit anderen Worten, hier können Events
stattfinden,
Installationen aufgestellt werden, Ruhepunkte oder Orte dynamischer
Aktion
entstehen. Das Projekt muss offen und fließend gehalten
werden, Räume müssen
gefunden werden, die aufzuwerten sind und die sich auch in der
Wahrnehmung und
dem Denken der Bürger/innen verankern. Das Projekt soll
Neugier schaffen, die
Lust an Mitbestimmung und Beteiligung wecken.
Ideenwerkstatt
Die
alte Remise der
Rittner Bahn
Die
Ideenwerkstatt
besteht aus einer Reihe von Räumlichkeiten, die den
Jugendlichen, die Kultur
schaffen wollen, zur
Verfügung gestellt werden. Die
Räume müssen gratis
angeboten werden. Die Grundlage sollte ein
Vertrag bilden, der Ziele
und
Inhalte definiert, die sich die Gemeinde stellen muss. Die Form ist die
einer
Beobachtungsstelle der zeitgenössischen Phänomene. In
dieser Struktur sollten
Projekte angesiedelt werden, die unter verschiedenen Gesichtspunkten
zeitgenössische Phänomene untersuchen,
zukünftige Szenarien entwerfen und neue
Ideen für die Stadt entwickeln.
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